{"id":365,"date":"2017-05-22T15:20:34","date_gmt":"2017-05-22T15:20:34","guid":{"rendered":"http:\/\/musikwirtschaftsforschung.de\/?p=365"},"modified":"2018-06-08T12:04:36","modified_gmt":"2018-06-08T12:04:36","slug":"veranstaltungsbericht-solutions-for-a-more-equal-electronic-music-scene-and-business-republica-panel-zu-frauen-in-der-elektronischen-musikwirtschaft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/musikwirtschaftsforschung.de\/?p=365","title":{"rendered":"Veranstaltungsbericht \u201cSolutions for a more equal electronic music scene and business\u201d \u2013 re:publica Panel zu Frauen in der elektronischen Musikwirtschaft"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"font-weight: 400;\">Wie k\u00f6nnen wir den Geschlechterungleichheiten in der elektronischen Musikszene begegnen? Welche L\u00f6sungen bieten sich an, und wie k\u00f6nnen wir sie implementieren? Diesen Frage stellte sich auf der diesj\u00e4hrigen re:publica ein von der Gesellschaft f\u00fcr Musikwirtschafts- und Musikkulturforschung e.V. (GMM) pr\u00e4sentiertes Panel. Auf der \u2018Stage L1\u2019 in der <\/span><a href=\"http:\/\/www.station-berlin.de\/de\/\"><span style=\"font-weight: 400;\">STATION Berlin<\/span><\/a><span style=\"font-weight: 400;\">, ein Raum des alten Postbahnhof an der Luckenwalder Stra\u00dfe (Berlin-Kreuzberg), dessen blanke Betonw\u00e4nde mit den re:publica Farben ausgeleuchtet waren, kamen f\u00fcnf unterschiedliche Perspektiven auf das Thema \u201cSolutions for a more equal electronic music scene and business\u201d zusammen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Christine Kakaire, Journalistin und Beraterin mit internationaler Karriere in der elektronischen Musikszene, moderierte das Panel, das mit Anita J\u00f3ri, Linguistin und wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universit\u00e4t der K\u00fcnste, D\u00e9sir\u00e9e Vach, Gr\u00fcnderin des Labels Snowhite Records und stellvertretende Vorstandsvorsitzende des Verbands Unabh\u00e4ngiger Tontr\u00e4gerunternehmen (VUT), Camille Darroux, DJ und Gr\u00fcnderin der Mimosa Agency sowie Thomas Vorreyer, Chefredakteur bei THUMP besetzt war. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Den Diskutierenden ging es nicht darum erneut zu kl\u00e4ren, ob es \u00fcberhaupt Ungleichheiten in der Szene gibt, und ob diese immanent seien. Stattdessen bot Christine Kakaire in Ihrem Er\u00f6ffnungsstatement sehr deutliche Zahlen an: Nur 14% der Britischen PRS identifizieren sich als Frauen w\u00e4hrend die Top 100-Liste von Resident Advisor lediglich weibliche 14 DJs enth\u00e4lt. <\/span><a href=\"https:\/\/femalepressure.wordpress.com\/facts-survey2015\/\"><span style=\"font-weight: 400;\">Hierzu ver\u00f6ffentlichte die Gruppe Female Pressure weitere Zahlen<\/span><\/a><span style=\"font-weight: 400;\">. Im Anschluss befragte sie daher die Panelist_innen direkt ihren Perspektiven und Ideen f\u00fcr m\u00f6gliche L\u00f6sungsschritte. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Im Verlauf des einst\u00fcndigen Panels arbeitete sie verschiedene Strategien heraus. So hielten die Panelisten es f\u00fcr wichtig, dass man selbst Verantwortung \u00fcbernehme und \u2018accountable\u2019 bleibe. So erkl\u00e4rte Thomas Vorreyer, dass er eigene Statistiken dar\u00fcber f\u00fchrt, wie divers die Berichterstattung und auch das Netzwerk der Journalist_innen ist, die f\u00fcr THUMP arbeiten. Seine Aufzeichnungen erm\u00f6glichen es besser zu koordinieren, wer, wie, wor\u00fcber schreibt, und dass so ausgewogenere Perspektiven bei gleichzeitig diverseren Themen abgebildet werden k\u00f6nnen. D\u00e9sir\u00e9e Vach betonte, dass Frauen in der Musikwirtschaft darauf achten sollten, Bewerberinnen, die sich auf Stellen f\u00fcr Assistent_innen bewerben, auch st\u00e4rker f\u00fcr F\u00fchrungspositionen zu ber\u00fccksichtigen. Auch die Etablierung von Quoten, wie z.B. im Booking weiblicher Musikschaffender sei eine M\u00f6glichkeit, der Anita J\u00f3ri jedoch nicht unkritisch gegen\u00fcbersteht. Viele weibliche DJs wollten nicht \u201cdie Quotenfrau\u201d eines Line-ups sein, sondern tats\u00e4chlich ernst genommen werden.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">An bestehenden Rollenmodellen und Ausbildungsm\u00f6glichkeiten k\u00f6nne gearbeitet werden. So machte sich Camille Darroux daf\u00fcr stark, dass DJ-Workshops oft g\u00e4nzlich von M\u00e4nnern f\u00fcr M\u00e4nner konzipiert werden, und dass es R\u00e4ume br\u00e4uche, in denen Frauen mit Musiktechnologie experimentieren k\u00f6nnen. Das sei aus wissenschaftlicher Perspektive auch schon sehr fr\u00fch n\u00f6tig, so Anita J\u00f3ri, denn der Zugang zu Technologie wird bereits in der Kindererziehung gegendert. Man d\u00fcrfe daher elektronische Musik nicht als getrennt von anderen gesellschaftlichen Bereichen sehen und m\u00fcsse M\u00e4dchen bereits fr\u00fch einen offeneren und kompetenten Umgang mit Musik und Technologie erm\u00f6glichen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Auch im Bereich der Medien und der Repr\u00e4sentation wurden einige Positionen formuliert. So sei es wichtig, dass gerade \u00f6ffentlichkeitswirksame Pers\u00f6nlichkeiten antisexistische Postionen \u00fcbern\u00e4hmen und diese in der \u00d6ffentlichkeit diskutierten. Ebenfalls zentral sei, dass die Medien der Szene ihren Content nicht den Online-Sph\u00e4ren \u00fcberlassen, sondern die Aktivit\u00e4ten um ihre Inhalte aktiv moderieren, bspw. wenn sich anti-emanzipatorische Diskussionen ergeben.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Mit diesen Ans\u00e4tzen verkn\u00fcpft sei immer auch die Ausbildung eigener Strukturen. D\u00e9sir\u00e9e Vach berichtete vom Netzwerk f\u00fcr Frauen in der Musikwirtschaft, <\/span><a href=\"http:\/\/www.vut.de\/vut\/gremien\/music-industry-women\/artikel\/details\/music_industry_women_das_netzwerk_fuer_frauen_in_der_musikwirtschaft\/\"><span style=\"font-weight: 400;\">einem Mentoring-Programm, das sie mitentwickelt hat und das den \u201cweiblichen Nachwuchs mit erfahrenen Branchenkennerinnen zusammenzubringen\u201d will.<\/span><\/a><span style=\"font-weight: 400;\"> Auch Camille Darroux spricht sich daf\u00fcr aus, solche Netzwerke zu gr\u00fcnden und auszubauen und mit Female-Partys und -Gigs zu verkn\u00fcpfen. Hierbei sei es jedoch wichtig, eine positive Identit\u00e4t und Atmosph\u00e4re aufzubauen und keine ablehnenden Female-Only Strukturen zu entwickeln. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Ob und wie konsumatorische Aktivit\u00e4ten eine L\u00f6sung sein k\u00f6nnten, blieb offen. So \u00fcberlegte Thomas Vorreyer, ob es nicht m\u00f6glich sei \u201cdie Daten zu beeinflussen\u201d, indem man Male-Only-Labels boykottiere oder die eigenen Playlisten bei Spotify st\u00e4rker mit weiblichen Akteurinnen best\u00fcckt, um die Empfehlungs-Algorithmen zu trainieren. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Christine Kakaire arbeitete diese unterschiedlichen Perspektiven gekonnt aus den diversen Hintergr\u00fcnden der Panelist_innen heraus. Auf ihre abschlie\u00dfende Frage, ob mit den beschriebenen Strukturen und den feministischen Gruppen der Szene nicht schon viel geschafft sei, wusste Anita J\u00f3ri zu sagen: \u201cBerlin ist mit seinen sexismussensiblen Netzwerken und Gruppen ein besonderer Ort. Au\u00dferhalb von Berlin ist jedoch noch viel zu tun.\u201d<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Eine Aufzeichnung des Panels kann hier angesehen werden:<br \/>\n<iframe src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/kpMpYFuLUUY\" width=\"560\" height=\"315\" frameborder=\"0\" allowfullscreen=\"allowfullscreen\"><\/iframe><br \/>\nhttps:\/\/www.youtube.com\/watch?v=kpMpYFuLUUY<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wie k\u00f6nnen wir den Geschlechterungleichheiten in der elektronischen Musikszene begegnen? Welche L\u00f6sungen bieten sich an, und wie k\u00f6nnen wir sie implementieren? Diesen Frage stellte sich auf der diesj\u00e4hrigen re:publica ein von der Gesellschaft f\u00fcr Musikwirtschafts- und Musikkulturforschung e.V. (GMM) pr\u00e4sentiertes Panel. 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