{"id":323,"date":"2016-11-08T15:03:37","date_gmt":"2016-11-08T15:03:37","guid":{"rendered":"http:\/\/musikwirtschaftsforschung.de\/?p=323"},"modified":"2016-11-08T15:04:29","modified_gmt":"2016-11-08T15:04:29","slug":"abschlussbericht-zum-2-summer-institute-der-gesellschaft-fuer-musikwirtschafts-und-musikkulturforschung-developments-for-musicpreneurs-14-20-september-2016-porto-portugal","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/musikwirtschaftsforschung.de\/?p=323","title":{"rendered":"Abschlussbericht zum 2. Summer Institute der Gesellschaft f\u00fcr Musikwirtschafts- und Musikkulturforschung \u201cDevelopments for Musicpreneurs: 14. &#8211; 20. September 2016, Porto, Portugal\u201c"},"content":{"rendered":"<p>Zum bereits zweiten Mal bot die Gesellschaft f\u00fcr Musikwirtschafts- und Musikkulturforschung (GMM) mit ihrem \u201eSummer Institut\u201c in Porto etablierten Musikforscher_innen, Branchenvertreter_innen sowie vor allem jungen Wissenschaftler_innen eine ausgeruhte Plattform des interdisziplin\u00e4ren Austausches. Im Fokus standen dabei in diesen Jahr zun\u00e4chst die \u201eMusicpreneure\u201c, also die \u00f6konomisch t\u00e4tigen Musikschaffenden und deren Innovationspotentiale, insbesondere innerhalb einer sehr dynamischen, un\u00fcbersichtlichen Musikwirtschaft.<\/p>\n<p>Dazu er\u00f6ffnete der bis dato erste GMM-Vorsitzende Prof. Dr. Carsten Winter (Hochschule f\u00fcr Musik, Theater und Medien Hannover) das \u201eSummer Institute\u201c mit einem einleitenden Vortrag zum Thema \u201eSmart Music Cities f\u00fcr alle \u2013 Musicpreneure und ihre Netzwerke\u201c, in dem er die Rolle der Musicpreneure und der Musiker_innennetzwerke im Kontext neuer technologischer, kultureller und \u00f6konomischer St\u00e4dteentwicklungen beleuchtete. Das dabei entstehende Diskussionspotential leitete hier bereits zu Dr. Holger Schwetter (Universit\u00e4t Dresden) und seinem Beitrag \u201eZur Kritik des Musicpreneurs\u201c \u00fcber. Schwetters Beobachtungen von Musiker_innen und deren Haltungen und Kontexten erschien besonders zeitgem\u00e4\u00df. Wird doch gesellschaftlich und feuilletonistisch viel \u00fcber Lebenwelten, Bezahlungen und Herausforderungen Musizierender diskutiert. Inwiefern hier die \u201aIllusio\u2019 (sensu Pierre Bourdieu) der Aktiven, also deren Engagement vor dem Hintergrund eines \u201aGlaubens\u2019 an Erfolg welcher Art auch immer nun Fluch oder Segen bedeutet, bleibt weiter zu erforschen und vor allem mit der Kulturpolitik zu diskutieren. Verwendet wurde das Konzept jedenfalls im weiteren Verlauf des \u201eSummer Institute\u201c immer wieder. Zum Abschluss des ersten Tages stellten schlie\u00dflich Robin Hoffmann, Gr\u00fcnder der Agentur f\u00fcr Corporate Sound \u201eHearDis!\u201c und Andreas Sch\u00f6nrock, Doktorand am Lehrstuhl Prof. Dr. Peter Wicke an der Humboldt-Universit\u00e4t zu Berlin, ihr von der Europ\u00e4ischen Union gef\u00f6rdertes Forschungsprojekt \u201eABC_DJ\u201c vor. Das im Rahmen des \u201eEuropean Union\u2019s Horizon 2020 Research and Innovation Programme\u201c gef\u00f6rderte Vorhaben hat sich zum Ziel gesetzt, Musikzuschreibungen und -klassifizierungen algorithmisch auswertbar zu machen. Dies geschieht in Zusammenarbeit mit\u00a0 der TU Berlin, dem Institut de Recherche et Coordination Acoustique\/Musique (IRCAM) und der italienischen IT-Firma Fincons. Das vorgestellte Projekt und insbesondere die vorgestellten Forschungsmethoden sorgten f\u00fcr einen reichlichen und produktiven Austausch mit den anwesenden Musikforscher_innen.<\/p>\n<p>Im Sinne der eingangs bereits angesprochenen F\u00f6rderung junger Musikwirtschafts- und -kulturforscher_innen wurde dann der zweite Tag des \u201eSummer Institute\u201c dazu genutzt, laufende Dissertationsvorhaben im breiteren Spektrum der Musikwirtschafts- und Musikkulturforschung vorzustellen und gemeinsam mit den jeweiligen Doktorandinnen und Doktoranden kritisch zu evaluieren. Gerahmt, moderiert und befeuert wurden diese von den neben Winter anwesenden Hochschullehrern Prof. Dr. Michael Ahlers (Leuphana-Universit\u00e4t L\u00fcneburg), Prof. Dr. Christoph Jacke (Universit\u00e4t Paderborn), Prof. Dr. Matthias Welker und Prof. Dr. Ulrich W\u00fcnsch (beide Hochschule der popul\u00e4ren K\u00fcnste Berlin). Schon hier zeigt sich die gew\u00fcnschte Multiperspektivit\u00e4t zwischen Journalistik, Musikmanagement, Kommunikations- und Medienforschung, Musikp\u00e4dagogik, Popular Music Studies, VWL und Germanistik.<\/p>\n<p>Den Auftakt der pr\u00e4sentierten Forschungsvorhaben machte Christopher Buschow (Hochschule f\u00fcr Musik, Theater und Medien Hannover) mit seinem sich in den letzten Z\u00fcgen vor der Abgabe befindlichen Dissertationsvorhaben zu \u201eNeue[n] Organisationsformen des Journalismus\u201c, in welchem er untersucht, inwiefern mit neuen Formen des Journalismus neue Formen der Organisation innerhalb dieses Feldes einhergehen. Ebenso wie alle folgenden Dissertationsvorhaben wurde auch dieses im Plenum der anwesenden Wissenschaftler_innen diskutiert. Anschlie\u00dfend pr\u00e4sentierte der Medienwissenschaftler Christian Rhein (Hochschule f\u00fcr Medien, Kommunikation und Wirtschaft K\u00f6ln) seine Promotion zu \u201eFassaden-Medien\u201c und deren praktische Umsetzung im Werbeumfeld. Das Themenspektrum Werbung wurde auch im folgenden Beitrag von Lorenz Gr\u00fcnewald (Hochschule f\u00fcr Musik, Theater und Medien Hannover) im Rahmen seiner Dissertation unter dem Arbeitstitel \u201eDie Musikkultur der Marken\u201c diskutiert. Gr\u00fcnewald erforscht, wie im Umfeld von Marken (neue) Formen von Musikkultur und Musikwirtschaft entstehen und dabei durch Musik bedeutsam werden. Hier standen vor allem die methodischen Herausforderungen, die sich bei der ethnografischen Erforschung von Musikkultur und Markenkultur ergeben, im Zentrum des Vortrages.\u00a0Aljoscha Paulus (Hochschule f\u00fcr Musik, Theater und Medien Hannover) referierte danach zum Thema \u201eOrganisiert Euch!\u201c \u00fcber neue Ans\u00e4tze interessenpolitischer Organisationen in Kultur- und Kreativwirtschaft.<\/p>\n<p>Anschlie\u00dfend folgten drei Vortr\u00e4ge von Promovierenden, die sich eher in den Anfangsstadien ihrer Promotionen befinden. Hier wurde \u00fcber Themen wie \u201eDie Auswirkungen von Medieninnovationen auf die Musikindustrie am Beispiel des Video-Netzwerks YouTube\u201c\u00a0 (Felicitas Cardenas, Popakademie Baden-W\u00fcrttemberg), Liveness in Techno-Musik (Josef Schaubruch, Leuphana-Universit\u00e4t L\u00fcneburg) und Internationalisierungspotentiale innerhalb des Universit\u00e4tswesens (Alexander Schories, Hochschule f\u00fcr Musik, Theater und Medien Hannover) gesprochen und diskutiert. Alle Beitr\u00e4ge bekamen Respondierende zur Seite gestellt, die somit automatisch zu ad\u00e4quaten Feedbacks und einer sehr fruchtbaren laufenden Diskussion beitrugen.<\/p>\n<p>Die verbleibende Zeit des \u201eSummer Institute\u201c wurde f\u00fcr die individuelle Betreuung der anwesenden Masterstudierenden, verschiedene Workshops sowie f\u00fcr den allgemeinen, auch informellen, Austausch der anwesenden Forscher_innen, Branchenvertreter_innen und Studierenden genutzt. Die Workshops befassten sich dabei zum einen mit (neuen) Perspektiven und M\u00f6glichkeiten wissenschaftlicher Forschung. So stellte Gunda Schwaninger (Hochschule f\u00fcr Musik, Theater und Medien Hannover), angelehnt an ihr zuvor ebenfalls vorgestelltes Dissertationsthema \u201eSciencepreneure \u2013 oder die Zukunft des digitalen Publizierens\u201c Online-Plattformen wie Research Gate vor und diskutierte gemeinsam mit dem Plenum Potentiale, Gefahren und Zukunft ebenjener Plattformen und damit zusammenh\u00e4ngender Selbstdarstellungen. Zum anderen initiierten Dr. Holger Schwetter und Lorenz Gr\u00fcnewald eine Diskussionsrunde zum Thema des ethnographischen Forschens im Bereich von Popmusikkultur.<\/p>\n<figure id=\"attachment_338\" aria-describedby=\"caption-attachment-338\" style=\"width: 1200px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"http:\/\/musikwirtschaftsforschung.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/skalP1080364.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"size-full wp-image-338\" src=\"http:\/\/musikwirtschaftsforschung.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/skalP1080364.jpg\" alt=\"Foto Holger Schwetter\" width=\"1200\" height=\"801\" srcset=\"https:\/\/musikwirtschaftsforschung.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/skalP1080364.jpg 1200w, https:\/\/musikwirtschaftsforschung.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/skalP1080364-300x200.jpg 300w, https:\/\/musikwirtschaftsforschung.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/skalP1080364-768x513.jpg 768w, https:\/\/musikwirtschaftsforschung.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/skalP1080364-1024x684.jpg 1024w\" sizes=\"(max-width: 1200px) 100vw, 1200px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-338\" class=\"wp-caption-text\">Foto Holger Schwetter<\/figcaption><\/figure>\n<p>Wie auch bei den vorherigen Vortr\u00e4gen und Vorstellungen der Dissertationsvorhaben war auch diese Diskussion \u00e4u\u00dferst produktiv und fruchtbar. Dies l\u00e4sst sich sicherlich als eine besondere St\u00e4rke des Konzeptes \u201eSummer Institute\u201c herausstellen, das es erm\u00f6glicht hat, allen Anwesenden reichlich Raum f\u00fcr gegenseitigen Wissenstransfer und Dialog zu bieten, der sicherlich grundlegend ist f\u00fcr dieses interdisziplin\u00e4re Forschungsterrain der Musikwirtschafts- und Musikkulturforschung. Somit stellt das \u201eSummer Institute\u201c einen wichtigen Baustein im Rahmen der sich auch im deutschsprachigen Raum immer intensiver entwickelnden, zwingend inter- bzw. transdisziplin\u00e4ren Popular Music Studies dar. Dass diese sogar Spa\u00df machen k\u00f6nnen (eine untersch\u00e4tzte, nicht unwesentliche Motivation des Forschens), zeigten Exkursionen etwa auf ein \u00fcber die ganze Stadt Porto verteiltes Musik-Festival oder per F\u00fchrung durch eine engagierte, sympathische Architektin mit profundem Insider-Wissen (\u201eThe Worst Tour\u201c) zu brachliegenden Pl\u00e4tzen und Orten dieser hoch interessanten (Musikkultur-)Stadt Porto, etwa zu einem von Musiker_innen genutzten gro\u00dfen ehemaligen Einkaufszentrum, in dem in den einstigen L\u00e4den nunmehr weit \u00fcber 100 Prober\u00e4ume eingerichtet wurden und man laut dr\u00f6hnende Heavy-Metal-Kl\u00e4nge aus umgenutzten Boutiquen oder Blumenl\u00e4den h\u00f6rte und sp\u00fcrte. Insbesondere die flachen Hierarchien, die Themenoffenheit und Gespr\u00e4chsbereitschaft zwischen allen Teilnehmer_innen hat zu manch legend\u00e4rem Moment und einer schon bekundeten hohen Motivation gef\u00fchrt, beim kommenden \u201eSummer Institute\u201c wieder dabei sein und mitreden zu wollen. Legend\u00e4r ungleich war allerdings die Geschlechterquote bei Teilnehmenden und Referierenden, hier w\u00fcrde ein gr\u00f6\u00dferer Frauenanteil sicherlich nicht schaden, was man (sic!) den Veranstaltenden nicht vorwerfen kann. Schaut man da in andere florierende Netzwerke, l\u00e4sst sich erfreulicherweise eine gleichm\u00e4\u00dfigere Verteilung erkennen. Letztlich bleibt neben der entspannen und produktiven Stimmung sowie \u2013 laut einiger Spiegelungen durch Teilnehmende des Voneinanderlernens &#8211; auch der versch\u00e4rfte Eindruck, dass sich im deutschsprachigen Raum der Popmusikkulturforschungen immer mehr (junge) Menschen aufmachen und interdisziplin\u00e4r vernetzen. Diese Beobachtung kann man nur unterst\u00fctzen.<\/p>\n<p><em>Jonas G\u00f6dde, Christoph Jacke, Dominik N\u00f6sner (Paderborn)<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zum bereits zweiten Mal bot die Gesellschaft f\u00fcr Musikwirtschafts- und Musikkulturforschung (GMM) mit ihrem \u201eSummer Institut\u201c in Porto etablierten Musikforscher_innen, Branchenvertreter_innen sowie vor allem jungen Wissenschaftler_innen eine ausgeruhte Plattform des interdisziplin\u00e4ren Austausches. 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